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Die Apotheose der Liebe

Let's go anywhere
It's getting late
I don't care


Wenn man sich um 10:00 vormittags, trotz aufrechter Sturmwarnung, auf den Weg gen Westen macht, das ist Liebe. Zumindest muss es etwas damit zu tun haben. Nicht zwangsläufig zu einem Menschen, auch mit der Kunst.
Viele sollten kommen, zu diesem Ereignis. Solche, die ich schon lieb gewonnen habe, wie der Danny und die Lisl, aber auch neue Bekanntschaften. Sarah, Kasper und Anna. Alle drei sehr nett und sympathisch, sofort.

I gotta laugh and then i'm asleep

Zuerst lacht man, man denkt, alles läuft perfekt. Man erwartet Liebe, spürt schon dieses Kribbeln. Da aber die nacht kurz war, schläft man ein. Im Zug, zu den Klängen von Gustav Mahlers 1. Symphonie unter Kegel, die in meinem Blog auch verlinkt ist. Aufgewühlt und doch gelassen kommt eine Müdigkeit auf. Der Versuch zu träumen, von Liebe. Endstation Linz, Strecke Linz-Salzburg gesperrt, bitte alle aussteigen.

Thank god that life is so long
And the city's so big


Klar, da gibt es Steine, die einem in den Weg gelegt werden. Der Ersatzbus brauchte natürlich ewig lange nach Salzburg. Trotzdem kommt man dem Ziel näher, aber langsam. Über vom Wind gezeichnete Landstrassen rollen wir hinweg, viele Eindrücke, die schon nach wenigen Minuten wieder vergessen sind. In wenigen Minuten erreichen wir Salzburg Hbf. Was nun?

Behind every desire is another one waiting to be liberated when the first ones sated

Eine Sehnsucht, das Ziel zu erreichen, gepaart mit der Angst, im letzten Moment alles zu verlieren. Wohin jetzt? Welcher Zug, fährt überhaupt einer? Es fuhr. Zumindest bis Freilassing, wo schon der IC nach München wartete. Man denkt, alles überwunden zu haben, es könne einen nichts und niemand mehr aufhalten. Doch schon nach wenigen Augenblicken wird klar, dass der IC in Rosenheim endet. Wieder Angst und Sehnsucht. Und absolut keine Ahnung, wie es weitergeht.

There's a feeling that I get
When I look to the west
'Bout having all the answers
Still failing the test


So nah und doch so fern. Erstmals melde ich mich bei Anna. Es wurde ein Schienenersatzverkehr von Rosenheim nach Grafing, zur S-Bahn, eingerichtet. Sie meinte, der Bus braucht etwa 30 Minuten. Ich setzte mich in den Bus und kam mit deutschen Urlaubern ins Gespräch. Na immerhin, die waren erst seit 12 unterwegs. Dort drüben liegt München, wo ich die untergehende Sonne verfolge, im Westen. Man fühlt, es geht sich aus. Grafing Bahnhof, alle aussteigen.

You rolled the dice but
You didn’t know anything


Zum Glück nur 8 Minuten Wartezeit auf die S-Bahn. Es ist kalt, Emma weht. Ab in den Zug, Sitzplatz suchen. Laut Plan Ankunft in München Hbf um 19:38. Na bitte, geht sich doch alles aus. Doch: Ein Betrunkener liegt am Boden der Bahn, der Notarzt wird gerufen, eine Wartezeit ergibt sich. Glück für mich, denn der Druck meine Blase schien unendlich zu sein. Also Raus damit und weiter gehts zurück in den Zug, nach einer Wartezeit von knapp 10 Minuten setzte dieser sich dann wieder in Bewegung.

Closer than ever
To finding the hidden track


Also doch irgendwie im "Millionendorf" angekommen. Nach kurzer Auskunft bei Kranzberg weiß ich wieder, dass ich zur Donnersbergerbrücke muss. Also da raus, und zur Tram, damits schneller geht. Interessanterweise kannte ich den Weg noch. Auf dem Fußmarsch dann wieder diese Vorfreude. Vor dem Backstage läutete ich an. Mir öffnete jedoch niemand. Achso, ist ja nicht in der Halle, sondern im Werk, also schnell hinunter. Da warteten sie schon, Danny und Anna, mit einem Lächeln zwischen ihren Lippen. Also doch noch geschafft und nix wie rein!

What's wrong?
Nothing
Are you sure nothing's wrong?
Yeah
But you're sad about something
Yeah
So tell me what
I don't know
I can't tell you


Erstmal weg mit der Jacke. Doch die Schlange war lang. Na gut, wen erschüttert sowas schon nach knapp 4 Stunden Verspätung, mich jedenfalls nicht. Speziell nicht, wenn man von einem unerwarteten (aber natürlich erhofften, erwünschten) Gast überrascht wird. Diese Lisl wars. Freude, in gewissem Sinn Liebe. Wie geht es dir so? Wer antwortet da schon "Naja, nicht so gut"...Fast niemand. So auch ich. Bisschen Smalltalk, und ich konnte meine Jacke/Tasche auch schon abgeben.

They say you have to have somebody
They say you have to be someone
They say if you’re not lonely alone
Boy there is something wrong


Die Stiegen hinauf, weil da sitzen die anderen. Toll, Rogue Wave fangen schon an. Doch schien mir, als sei ich der Einzige, den das Juckt. Was aber auch nicht schlimm ist. Mir gaben die Lieder einfach viel, aber es ist doch auch schön, mit alten, und auch neuen Freunden zu reden. Menschen sind Wichtiger als Musik, als Kunst generell. Man kann nichts so lieben, wie einen Menschen, so sehe ich das. Was natürlich nichts daran ändert, dass Chicago X 12 ein Spitzensong ist, genauso wie Every Moment.

Left straight right straight
I can't find a reason
I know i'll keep going but
I can't find a reason


Also doch nach vorne. Danny macht die Arbeit für Anna Sarah und mich. Nach einigen Wendungen erreichen wir einen Akzeptablen Platz, vorerst. Nada Surf kommen, ja. Irgendie ist jeder Glücklich, schon beim ersten Akkord. Den Danny hielt nichts mehr hinten, wie eine Schneeflocke in der Luft sah ich ihn nur mehr hin und herbewegen. Wir anderen drei begnügten uns mit unseren Plätzen.

The moon is closer to the sun than i am to anyone

Aber trotzdem fühlt man sich bei einem Konzert immer allein. Einmal als Individuum, das sich auf die Bühne konzentriert. Und zweitens als Masse, abgeschlossen von denen, die da draußen auf den Straßen sein mögen. Und seien wir uns ehrlich, Knutschen bei einem Konzert kann doch sehr nervig sein, wie ich feststellen musste. Fast so schlimm wie keine Rücksicht auf die Mitbesucher zu nehmen. Über einen Hampelmann direkt vor uns (oder warens sogar zwei) unterhielten sich Sarah, Anna und ich prächtig. Ein Konzert lässt man sich nicht vermiesen!

I'm on the outside of love
Always under or above
I can't find my way in
I try again and again


Irgendwann kam er dann. Dieser Song, den man liebt. Die Apotheose der Liebe, die man selber nicht erreicht. Trotzdem gibt es so viel Hoffnung, dass man mit einem dermaßen breiten Grinsen dasteht, und einfach nur Glücklich ist. Man weiß, man ist nicht der Einzige.

Maybe this weight was a gift
Like I had to see what I could lift


All diese Anstrengung für ein Konzert? "Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken". Dabei mein ich das ernst. Schwer erklärbar, aber mir gibt das einfach viel, sowas zu erleben. Während des Konzertes dachte ich mir, dass das einfach Eindrücke sind, die ich nie vergessen werde. Den Danny auf der Bühne zu sehen, an die hinten sitzende Lisl zu denken, Anna und Sarah lachen und tratschen zu sehen. Da bleibt was hängen. Und das war mir sogar eine solche, mit Problemen belastete, Anreise wert.

Beautiful beat get me out of this mess
Beautiful beat lift me up from distress


Diese schönen Klänge, man weiß, es nähert sich dem Ende. Spätestens als die ersten Töne von Blankest Year erklangen. Die Bühne wurde gestürmt, und ich fand das schön, diese zufriedenen, glücklichen Menschen da oben tanzen zu sehen. Es ist ein Moment, in dem alles zusammenpasst. Das passiert eigentlich äußerst selten, wenn ich mich zurückerinnere. Danny ging von der Bühne ab, und die Band tat es ihm gleich. Alles schien vorbei zu sein. Vorerst...

The lights in the city are more or less blinking
Which side of the story decides what you're thinking


Der Höhepunkt des Abends. Der Herr Ude betritt die Bühne und hält eine Ansprache, und er legt später noch auf. Jaja, mach weiter, wir wollen lieber noch Zugaben. Und - tatsächlich kamen Nada Surf noch einmal auf die Bühne. Ein letztes Mal alles geben, dem Publikum ebensoviel abverlangen, und mit aufrechtem Haupt nach zwei letzten Liedern von der Bühne abtreten. Das dürfte wohl der Plan gewesen sein. Er funktionierte.
Was nun? Hinsetzen, auf die Stufen, plaudern. Sich anfreunden mit neuen Menschen, diesen dann auch Geld für die Karte geben. Danke hier nochmals.
Da wars dann auch schon Mitternacht. Geburtstag, 29. Es wurde gratuliert, und auch Mäuse geschenkt.
Wohin nun? Backstage? Nein, Zu viele komische Leute. Da doch lieber in den P59 50 Cent Club 1 in der Sonnenbergerstrasse. After Show Party mit Band. Nur, wo ist das? Wir versuchten, mit unserem Charme, es herauszufinden. Aha, also Sonnenstrasse. Na egal, wir sind ja keine Münchner.
Leider erwiesen sich Kesper und Sarah als langweiler. Naja, oder Memmen. Obwohl ich beide sehr sehr nett und sympathisch fand. Die Anna schleppten sie leider auch gleich nach Hause mit. Dann nur zu Dritt auf zu Lisls Auto.

But in the middle of the night i worry
It's blurry even without light


Doch halt! Wir haben ja das Geschenk vergessen! Wir gingen zurück zum Werk, um es zu holen. Was jedoch dort passierte, ist schwer in Worte zu fassen. Schwarz gekleidete Leute, weiß geschminkt, usw. Ich hatte Angst. Lisl ging hinein, konnte das Geschenk jedoch leider nicht mehr finden. Vermutlich wurde es geopfert oder so.

When do I jump out of the cake

Aus der Geburtstagstorte. Diesmal von McDonalds, und die Kekse M&Ms. Wir beschließen, nicht in den Club zu fahren, denn es gefiel uns sehr im Auto. Wir suchten den Ostbahnhof, fanden ihn sogar nach etwa 2 Stunden, was zu spät war. Egal. Eine Spritztour durch München, mindestens 10 Mal durch die Brienner Strasse und so. Dabei Taxis, so viele, und alle beige, hässlich und aggressiv fahrend. Nach einer Zeit merkte die Lisl dann gar nicht mehr, ob eine Ampel grün oder Rot ist. Die AA ist übrigens klein und hässlich, aber das wusste ich ja vorher schon.
Nach etwa 4 Stunden Autofahrt stiegen Danny und ich am Hbf aus und verabschiedeten uns von der Lisl.

I've got no time i wanna lose

Mir wäre der Nachtzug vom Ostbahnhof lieber gewesen, natürlich. Aber so musste der Danny wenigstens nicht alleine warten und seinen Kakao in meiner Anwesenheit schlürfen. Um 06:20 kaufte ich noch zwei Butterbrezen und setzte mich in meinen Zug, der sogar dastand und ohne Verspätung losfuhr.

Always Love? Hate will get you every time
Always Love? Hate will get you?


Im Zug kommt mir wieder der Gedanke der Apotheose der Liebe. Es gibt wahrscheinlich keine Band, die das in ihren Liedern dermaßen Gut praktiziert, wie Nada Surf. Vor allem nimmt man es ihnen auch ab.
Um wieder etwas abzuschalten lege ich mir am iPod Bruckners 7. Symphonie unter Eugen Jochum ein, nach der ich dann perfekt schlafen konnte.

To hell with it
I'm going to have a party


Dieser Sonntag wird im Arsch sein, das war spätestens ab Salzburg klar. Ich konnte meine Augen kaum mehr offen halten und war immer noch überwältigt von den vielen Eindrücken des Samstags. In Salzburg stand auch schon der IC nach Wien bereit, und alles nahm, diesmal planmäßig, seinen Lauf.

You laughed out loud
About someone who
Couldn't get their shit together


Während meines Schlafs füllte sich das Abteil etwas, aber egal. Ich bekam so gut wie nichts mit, und es war mir auch egal. Ich war glücklich, zufrieden, müde und ausgelaugt. Kurz nach 12 dann in Wien, wieder zu Hause. Naja, sagen wir fast.

I'm the party star
I'm popular


Aber auch die Schnellbahn machte keine Probleme mehr, und ein Bett wartete schon auf mich.
Es war also ein schönes Wochenende, mit einiger Anstrengung verbunden, aber es war es Wert. Jederzeit wieder, am liebsten schon am 3.5. im Hirsch.

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